Ein Gesicht zu zeichnen ist schwierig. Unser Gehirn ist darauf trainiert, kleinste Unterschiede in Gesichtern zu erkennen. Logisch: nur so können wir verschiedene Menschen optisch unterscheiden. Zudem ist ein Gesicht eine recht komplexe Angelegenheit: es ist vor allem plastisch, mit Vertiefungen und Hervorhebungen. Um sich nicht in Details zu verzetteln, sollte man sich daher zunächst über die Gesamtform des Kopfes und die wichtigsten Proportionen Gedanken machen. Erst danach werden die einzelnen Gesichtsteile genauer ausgearbeitet.
Was ist der Unterschied zwischen "Gesicht zeichnen" und "Portrait zeichnen"? Kurz gesagt:
- Gesicht zeichnen = die Form und den Aufbau des Gesichts verstehen.
- Porträt zeichnen = einen bestimmten Menschen darstellen und erkennbar machen.
Ein gezeichnetes Gesicht muss also kein Porträt sein. Ein Porträt ist dagegen immer die Darstellung eines konkreten Menschen. Das "Gesicht zeichnen" ist also die Grundlage des "Portrait zeichnens" - und deshalb soll es in diesem Artikel genau darum gehen. Dieser Artikel gehört in die Reihe "Zeichnen lernen". Siehe auch: Wie anfangen? (Grundlagen).
Warum sind Gesichter so schwierig zu zeichnen?
Ein Gesicht besteht aus relativ wenigen sichtbaren Elementen: zwei Augen, einer Nase, einem Mund, zwei Ohren und der äußeren Kopfform. Trotzdem ergeben sich daraus unzählige individuelle Erscheinungsbilder.
Schon kleine Veränderungen können ein Gesicht deutlich verändern:
- Die Augen stehen etwas weiter auseinander.
- Die Nase ist etwas länger oder kürzer.
- Die Stirn ist höher.
- Das Kinn ist schmaler oder breiter.
- Der Mund liegt etwas höher oder tiefer.
- Der Kopf ist länger, breiter oder asymmetrischer.
Deshalb reicht es nicht aus, die einzelnen Bestandteile eines Gesichts zu kennen. Entscheidend sind ihre Größenverhältnisse und Abstände.
Bitte beachten: Die im Folgenden genannten Grundsätze und Faustformeln sind nur Merkhilfen, um den Aufbau eines menschlichen Gesichts im Prinzip zu verstehen. Letztendlich gewinnt jedes Gesicht dadurch an Individualität, dass es mehr oder weniger von dem "Muster-Gesicht" abweicht.
Den Kopf zunächst als einfache Form betrachten
Bevor man Augen, Nase und Mund zeichnet, sollte man den Kopf als dreidimensionale Form betrachten und nach Grundformen bzw. Grundkörper suchen.
Vereinfacht kann man ihn zunächst als eine Kombination aus Kugel und Kieferform verstehen. Der obere Teil des Kopfes wird durch den Schädel bestimmt, darunter befindet sich der Kiefer mit dem Kinn. Diese Vereinfachung hilft dabei, die räumliche Form des Kopfes zu verstehen.
Beim Zeichnen sollte man deshalb zunächst fragen: Wie groß und wie breit ist der Kopf? Und: Wie verändert sich seine Form durch die Blickrichtung? Ein Gesicht von vorne sieht beispielsweise ganz anders aus als ein Gesicht im Profil oder in einer Dreiviertelansicht.
Eine Mittellinie hilft beim Aufbau
Eine einfache Konstruktion besteht aus einer senkrechten Mittellinie und mehreren waagerechten Orientierungslinien.
Die Mittellinie zeigt, in welche Richtung das Gesicht ausgerichtet ist. Sie muss nicht immer gerade auf dem Papier stehen. Bei einem gedrehten oder geneigtem Kopf folgt sie der räumlichen Ausrichtung des Kopfes. Zusätzliche horizontale Linien helfen dabei, die Position von Augen, Nase und Mund festzulegen. Eine verbreitete Faustregel teilt den Bereich vom Haaransatz bis zum Kinn in ungefähr drei Abschnitte. Die Augen liegen dabei ungefähr auf der Höhe der ersten Teilung. Solche Regeln sind jedoch nur Orientierungshilfen und können bei individuellen Gesichtern deutlich abweichen., siehe dazu Abbildung rechts.
Diese Linien sind zunächst nur Hilfslinien. Sie werden später wieder abgeschwächt oder gelöscht.
Die Proportionen des Gesichts
Für das Zeichnen eines Gesichts gibt es einige traditionelle Proportionsregeln (siehe dazu auch diesen Artikel: Proportionen im Gesicht - Grundregeln und Faustformeln). Sie sind als Orientierung sehr hilfreich, sollten aber nicht als starre Gesetze verstanden werden. Denn echte Gesichter unterscheiden sich deutlich voneinander.
Eine häufig verwendete Orientierung ist die Einteilung des Gesichts in mehrere ungefähr gleich große Abschnitte. Dabei kann man beispielsweise die Bereiche von Haaransatz über Augen und Nase bis zum Kinn miteinander vergleichen. Noch wichtiger als das Auswendiglernen solcher Regeln ist jedoch das Vergleichen der tatsächlichen Abstände in der Vorlage. Beispielsweise kann man fragen:
- Wie breit ist ein Auge?
- Wie groß ist der Abstand zwischen den Augen?
- Wie weit liegt die Nase unterhalb der Augen?
- Wie breit ist die Nase im Verhältnis zum Mund?
- Wie groß ist die Strecke von der Nase bis zum Kinn?
So werden Proportionen nicht einfach übernommen, sondern beobachtet und überprüft. Siehe auch: Proportionen zeichnen lernen.
Die Augen
Die Augen sind für den Gesichtsausdruck besonders wichtig. Man nennt sie auch "Das Tor zur Seele". Aber: Beim Zeichnen sollte man zunächst nicht versuchen, ein Auge als „Symbol“ zu zeichnen. Das Auge ist vielmehr eine kugelförmige Form, die von Lidern umschlossen wird. Dadurch entstehen verschiedene Formen:
- obere Lidkante
- untere Lidkante
- Iris
- Pupille
- Augenwinkel
- Augenbraue
Wer das Auge als Kugel versteht, kann auch besser nachvollziehen, warum sich Ober- und Unterlid um eine gewölbte Form legen und warum Licht und Schatten die Augenhöhle räumlich erscheinen lassen. Die sichtbare Form des Auges hängt außerdem von der Blickrichtung und der Stellung der Lider ab. Ein häufiger Anfängerfehler ist, beide Augen exakt gleich zu zeichnen. Tatsächlich sind menschliche Gesichter nicht vollkommen symmetrisch. Die beiden Augen ähneln sich zwar, sind aber nicht unbedingt identisch. Siehe auch: ein Auge zeichnen. Siehe auch: Ein Auge mit Bleistift zeichnen. Aber Achtung: ein einzelnes Auge ist etwas ganz anderes als ein Auge innerhalb eines Gesichts.
Die Nase
Die Nase ist beim Zeichnen zunächst weniger eine Linie als eine räumliche Form. Genau darum ist sie auch so schwer zu erfassen. Von vorne gesehen zeigt sich meist nur eine Linie unterhalb der Nase, um die Nasenlöcher herum. Viele Konturen der Nase müssen nicht ausdrücklich als Linien gezeichnet werden. Ihre Form lässt sich oft überzeugender durch Licht und Schatten beschreiben. Man kann sie vereinfacht aus mehreren Flächen und Formen betrachten:
- Nasenrücken
- Nasenspitze
- Nasenflügel
- Nasenlöcher
- Übergang zur Wange
Beim realistischen Zeichnen sind die Schatten oft wichtiger als die äußere Kontur. Eine Nase kann deshalb überzeugend wirken, obwohl nur wenige Linien sichtbar sind. Gerade hier zeigt sich die Bedeutung von Licht und Schatten.
Mund und Lippen
Auch beim Mund bzw. den Lippen sollte man nicht einfach zwei geschwungene Linien zeichnen. Die Lippen liegen auf einer räumlich gewölbten Form. Die Oberlippe und Unterlippe besitzen unterschiedliche Formen und reagieren unterschiedlich auf das Licht.
Besonders wichtig sind:
- die Mundwinkel
- die Trennlinie zwischen Ober- und Unterlippe
- die Form der Oberlippe
- die Rundung der Unterlippe
- der Schatten unter der Unterlippe
Der Mund trägt wesentlich zum Gesichtsausdruck bei. Schon kleine Veränderungen können ein Gesicht freundlich, traurig, ernst oder angespannt erscheinen lassen.
Die Ohren
Die genaue Form des Ohres unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Beim Zeichnen von Ohren ist es hilfreich, zunächst die Gesamtform zu erfassen und nicht sofort die vielen kleinen Falten und Linien zu zeichnen. Das Ohr ist ungefähr oval, aber keineswegs regelmäßig. Der äußere Rand wird durch die Ohrmuschel gebildet. Im Inneren liegen geschwungene Erhebungen und Vertiefungen, die dem Ohr seine charakteristische Form geben. Man sollte beim Zeichnen die Position des Ohres immer mit Augen, Nase und Mund abgleichen. Häufig werden die Ohren viel zu weit oben gezeichnet.
Aber Vorsicht: Die Position des Ohres verändert sich bei unterschiedlichen Kopfstellungen deutlich. Deshalb sollte man sich nicht auf eine feste Proportionsregel verlassen, sondern die Position immer anhand der Vorlage überprüfen.
Das Ohr ist keine flache Fläche, sondern eine plastische Form. Deshalb sind Licht und Schatten besonders wichtig. Zu viele Details lassen das Ohr schnell „zerknittert“ aussehen. Oft sind wenige gut platzierte Schatten überzeugender als zahlreiche Konturlinien. Ohren unterscheiden sich von Mensch zu Mensch deutlich. Für ein Porträt sind gerade diese kleinen Abweichungen wichtig.
Haare zeichnen
Beim Zeichnen von Haaren und Frisuren ist vor allem wichtig, nicht einzelne Haare zu zeichnen, sondern zunächst die gesamte Haarform und ihren Aufbau zu verstehen. Auch hier gilt: Erst die große Form, dann die Details. Gerade bei Haaren bzw. Frisuren sollte man daher in Grundformen denken und versuchen, die Haarmasse als einzelne Körper zu betrachten. Besser ist es, zunächst die große Form der Frisur zu betrachten.
- Wo beginnt das Haar?
- Wie groß ist das Haarvolumen?
- In welche Richtung fallen die Haarmassen?
Erst danach werden einzelne Strähnen oder Haare ergänzt. Eine gute Vorgehensweise ist daher:
- Kopfform →
- Gesamtform der Frisur →
- große Haarmassen →
- Wuchsrichtung →
- Licht und Schatten →
- einzelne Haarsträhnen
Besonders wichtig ist der Haaransatz: Er bestimmt wesentlich die sichtbare Stirnhöhe und damit die Proportionen des gesamten Gesichts.
Die räumliche Wirkung der Haare entsteht vor allem durch große Hell-Dunkel-Bereiche. Einzelne Haare sind für die Darstellung des Volumens zunächst weniger wichtig. Eine realistische Frisur entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viele einzelne Haare einzeichnet. Einige gezielt gesetzte Linien reichen oft aus, um die Haarstruktur anzudeuten.
Das Gesicht als Zusammenspiel von Formen
Zusammenspiel aller Einzelteile
Wenn Augen, Nase, Mund und Ohren einzeln geübt wurden, müssen sie anschließend wieder als Gesamtbild betrachtet werden. Denn ein Gesicht kann aus sehr gut gezeichneten Einzelteilen bestehen und trotzdem nicht wie die Vorlage aussehen. Der Grund liegt häufig in den Beziehungen zwischen den einzelnen Formen.
Zum Beispiel: Ein Auge kann für sich genommen gut gezeichnet sein. Steht es aber zu hoch oder zu weit außen, verändert sich der gesamte Gesichtsausdruck. Deshalb sollte man regelmäßig einen Schritt zurückgehen und das Gesicht als Ganzes betrachten.
Auch beim Porträtzeichnen sind die Zwischenräume wichtig, z.B.
- den Raum zwischen den Augen
- den Abstand zwischen Nase und Mund
- die Form zwischen Nase und Wange
- den Raum zwischen Kinn und Hals
- die Kontur zwischen Haar und Gesicht
Diese negativen Formen können beim Vergleichen sehr hilfreich sein. Manchmal erkennt man schneller, dass etwas nicht stimmt, wenn man nicht auf das Auge selbst schaut, sondern auf die Form des Raumes daneben.
Auch der Hals spielt für die Gesamtwirkung ene wichtige Rolle: Er gibt dem Kopf Halt und hilft dabei, die Körperhaltung und Kopfstellung des Menschen zu vermitteln. In aller Regel werden bei Portraits der Hals und der Schulteransatz mitgezeichnet.
Gesichter aus verschiedenen Blickwinkeln
Jetzt wird es etwas tricky: Bislang habe wir nur über Gesichter von vorne gesprochen. Ein Gesicht frontal zu zeichnen ist eine gute Übung. Aber leider ist das nur eine von sehr viel mehr möglichen Ansichten eines Gesichts. Wenn sich der Kopf dreht, verändern sich die sichtbaren Breiten und Abstände. Ein Auge kann dadurch näher an die Mittellinie rücken, während die andere Gesichtshälfte schmaler erscheint. Die Orientierungslinien müssen deshalb nicht einfach gerade über das Gesicht laufen, sondern sich an die räumliche Wölbung des Kopfes anpassen. Besonders wichtig sind:
- Frontalansicht: Beide Gesichtshälften sind sichtbar. Die Proportionen lassen sich besonders gut untersuchen.
- Dreiviertelansicht: Der Kopf ist etwas gedreht, so dass die abgebildete Person leicht am Betrachter vorbeischaut. Eine Gesichtshälfte wird schmaler sichtbar, und die Abstände verändern sich durch die Perspektive. Stattdessen wird ein Ohr deutlicher sichtbar.
- Profil: Das Gesicht wird von der Seite betrachtet. Stirn, Nase, Lippen und Kinn bilden eine charakteristische Silhouette, das Ohr ist in seiner Fläche besonders deutlich sichtbar.
- Ansicht von oben oder unten: Hier verändern sich die gewohnten Proportionen besonders deutlich. Solche Ansichten sind schwieriger, aber sehr hilfreich, um die räumliche Form des Kopfes zu verstehen. Wenn Sie es versuchen: besonders die Position des Ohres scheint meist falsch: da hilft nur genaues Beobachten.
Wichtig! Proportionen sind keine starren Regeln
Beim Gesichterzeichnen sollte man sich vor einer Falle hüten: dem Glauben, jedes Gesicht müsse nach exakt denselben Proportionsregeln aufgebaut sein. Solche Regeln sind Orientierungshilfen. Sie beschreiben vereinfachte Durchschnittsverhältnisse.
Ein individuelles Gesicht kann davon erheblich abweichen. Gerade diese Abweichungen machen einen Menschen wiedererkennbar. Wenn man beispielsweise ein Porträt zeichnet, ist deshalb nicht entscheidend, ob das Gesicht einer idealisierten Proportionslehre entspricht. Entscheidend ist, ob die tatsächlichen Proportionen der Person getroffen wurden. Genau das unterscheidet das "Gesicht zeichnen" vom "Portrait zeichnen".
Licht und Schatten im Gesicht
Licht kommt immer von oben. Das ist zwar Quatsch, aber eine gute Fausformel. Da die Sonne und Lampe häufig von oben scheinen, kann man sich ganz gut daran orientieren. Beim Zeichnen eines Gesichts kann man daher folgende Punkte ganz gut merken (von oben nach unten benannt):
- Schatten unterhalb der Haare
- Schatten unter der Stirn, unter den Augenbrauen, in den Augenhöhlen oben
- Schatten unterhalb der Augen (weil die ja eine herausgewölbte Kugelform haben)
- Schatten an den Seiten der Nase
- Schatten unter den Wangenknocken
- Schatten unter der Nase (!)
- Schatten unter der Oberlippe
- Schatten unter der Unterlippe
- Schatten unter dem Kinn
Wichtig: Auch innerhalb des Auges, unterhalb der Wimpern, entsteht ein kleiner, aber feiner Schatten.
Nicht jede sichtbare Linie muss gezeichnet werden. Manche Formen werden allein durch einen Wechsel der Helligkeit sichtbar. Das gilt besonders für die Nase und die Wangen. Siehe hierzu auch: Schattieren lernen. Die folgende Abbildung veranschaulicht die wichtigen Schattenpartien im Gesicht:
Übung 1: Ein Gesicht konstruieren
Wenn Du das bisher gesagte verstanden hast, ist es eine gute Zeichenübung, ein Gesicht frei zu konstruieren und zu zeichnen. Im Folgenden ein Ablaufplan:
- Kopfgröße festlegen: Wie groß soll der Kopf auf dem Papier werden?
- Kopfform zeichnen: Zunächst nur Schädel (Kreis) und Kiefer (kleinerer Kreis darunter) grob anlegen.
- Mittellinie einzeichnen: Sie hilft, die Ausrichtung des Gesichts zu bestimmen.
- Orientierungslinien setzen: Positionen von Augen, Nase und Mund zunächst grob markieren (siehe dazu Skizze oben).
- Große Proportionen prüfen: Höhe, Breite und Abstände miteinander vergleichen.
- Augen, Nase und Mund anlegen: Noch ohne viele Details, sondern nur grobe Schatten anlegen
- Ohren und Haare ergänzen: Zunächst als grobe Form.
- Proportionen erneut kontrollieren: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Korrekturen.
- Licht und Schatten modellieren: Die räumlichen Formen des Gesichts herausarbeiten.
- Details ergänzen: Erst am Ende kommen Wimpern, einzelne Haare, Hautstrukturen und andere kleine Details.
Übung 2: Gesichter vergleichen
Eine gute Übung besteht darin, einfach Gesichter zu vergleichen. Dafür braucht man nur einige Abbildungen (z.B. Fotos oder Zeitschriften). Wenn man diese Abbildungen nebeneinander legt, kann man die einzelnen Elemente genau beobachten und vergleichen. Dabei geht es weniger um Frisuren oder Schönheit, sondern nur um Proportionen und Schatten. Gerade für Anfänger kann es dabei sehr hilfreich sein, ein Geodreieck oder Zirkel zu verwenden, um Abstände genau zu vermessen - zum Beispiel den Absatnd der Augen im Verhältnis zur Breite eines Auges.
Diese Übung hilft dabei, das Zusammenspiel von Formen und Licht und Schatten besser zu verstehen.
Übung 3: Ein Gesicht nach Vorlage zeichnen
Für das Lernen realistischer Porträts ist das Zeichnen nach einer guten Vorlage besonders hilfreich. Dabei sollte man nicht nur die Gesichtsteile kopieren, sondern bewusst messen, vergleichen und beobachten. Eine Fotovorlage eignet sich beispielsweise gut für den Anfang. Noch interessanter ist später das Zeichnen nach einer realen Person, weil sich dabei zusätzlich die räumliche Wirkung und die Lichtverhältnisse verändern. Beim Arbeiten nach einer Vorlage sollte man immer wieder zwischen Zeichnung und Vorlage hin- und herblicken.
Die entscheidende Frage lautet: Was sehe ich tatsächlich – und was glaube ich nur zu sehen? Gerade beim Gesicht neigen wir dazu, aus dem Gedächtnis bekannte Symbole zu zeichnen. Das genaue Beobachten hilft, diese Gewohnheit zu überwinden.
Fazit
Gesichter zeichnen zu lernen bedeutet nicht in erster Linie, schöne Augen, Nasen oder Münder zeichnen zu können. Es geht darum, Formen, Proportionen, Abstände und räumliche Zusammenhänge zu erkennen. Ein guter Aufbau beginnt deshalb mit der großen Form des Kopfes. Danach folgen Orientierungslinien und Proportionen. Erst anschließend werden Augen, Nase, Mund, Ohren, Haare sowie Licht und Schatten ausgearbeitet. Dabei sind Proportionsregeln nützliche Orientierungshilfen – aber kein Ersatz für Beobachtung.
Denn jedes Gesicht ist anders.
Je genauer man die individuellen Formen und Verhältnisse eines Gesichts beobachtet, desto überzeugender kann man es zeichnen.
Viel Erfolg!
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