
Die Architektur des Barock (ca. 1600 bis 1770) ist bekannt für ihre Pracht, Dynamik und dramatische Inszenierung. Sie entstand in Italien als Reaktion auf die eher schlichte, aber strenge Renaissance-Architektur und sollte vor allem Macht, Reichtum und göttliche Herrlichkeit demonstrieren. Besonders die katholische Kirche nutzte die barocke Architektur, um ihre Macht und den Glauben eindrucksvoll zu inszenieren. Von Rom ausgehend, setzte die Kirche zu einem „Gegenschlag“ gegen die Reformation an und entfaltet in ihren Kirchenbauten eine ungeheure Pracht, die Reichtum und Macht veranschaulichten.
Siehe auch: Übersicht über die Stilepochen
Es wird plastisch ...

Barock Kirche von Borromini in Rom;
Foto: Architas, CC BY-SA 4.0
Im Barock wurde nicht nur die Fassade der Gebäude plastischer und voluminöser, sondern auch die Inszenierung des Innenraumes völlig neu gedacht. Architektur, Malerei und Skulptur bildeten erstmals eine Einheit. Riesige illusionistische Wand- und Deckengemälde verstärkten die prachtvolle Architektur.
Dank dieser Plastizität gewann das Licht erheblich an Bedeutung: vor allem in Italien, aber auch in Frankreich und Deutschland, veränderte sich die Fassade durch die Sonneneinstrahlung im Laufe des Tages teilweise dramatisch.
Ein gutes Beispiel ist die Kirche San Carlo alle Quattro Fontane in Rom, entworfen von Francesco Borromini, erbaut zwischen 1638 und 1641. Die Fassade ist nicht flach oder streng symmetrisch, sondern konvex und konkav geschwungen, was eine rhythmische, lebendige Bewegung erzeugt. Die Mittelachse wird besonders betont, wodurch die Fassade fast „atmend“ erscheint. Dieses wellenförmige Prinzip wurde zu einem zentralen Merkmal des Hochbarock.
Wichtige Merkmale der Barock-Architektur

Wesentliches Merkmal der Barock-Architektur ist die voluminöse, plastische Wandgestaltung. Freistehende Säulen sowie Skulpturen und verspielte Dekorationen bieten spannungsreiche, dramatische Lichteffekte.
Anders als die strenge Geometrie der Renaissance setzt der Barock auf geschwungene Formen und teilweise ovale Grundrisse. Architektur und Skulptur verschmelzen oft zu einer ästhetischen Einheit, in Innenräumen häufig ergänzt um Wandmalereien.
Der zentrale Eingang wurde noch stärker betont als in der Renaissance. Während in der Renaissance eher die Waagerechte betont wurde, spielt im Barock die Senkrechte als aufstrebende Kraft eine wichtige Rolle.
Absolutismus: absolute Macht
Der Barock ist die Epoche des Absolutismus. Frankreichs König Ludwig XIV hatte die Idee, den gesamten Adel zu entmachten, indem er ihn ununterbrochen bespaßte. Dafür ließ er das Schloss Versaille ausbauen, in dem nahezu der gesamte Adel unter seiner Kontrolle stand. Der Absolutismus verbreitete sich in ganz Europa, und mit ihm die barocke Bauweise der prachtvollen Schlösser und Schlossanlagen.

Gemälde von Pierre Patel, 1668
Während in den Sakralbauten (Kirchen) die Architektur vor allem emotional berühren sollte, dienten die weltlichen Schlösser vor allem der Repräsentation von Königen und Fürsten. Sie waren somit Ausdruck absolutistischer Macht. Sie sollten nicht nur prachtvoll, sondern auch funktional sein – mit Wohnräumen, Festsälen und weitläufigen Gärten. Prunkvolle Treppenhäuser und riesige Schlossgärten mit axialen Wegen (sog. Barockgärten) unterstreichen die Inszenierung.
Vorherrschend bei barocken Schlössern war die lange, horizontale Ausdehnung statt der Betonung der Vertikalen.

Foto: C.Stadler/Bwag - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Wirkung der Barock-Architektur

Die Wirkung barocker Architektur zielt darauf ab, zu beeindrucken bzw. sogar zu überwältigen. Man soll sich klein und unbedeutend fühlen angesichts der Pracht und des Reichtums von Kirche und Königen. Die Architektur soll nicht nur bewundert, sondern auch als Teil eines großen, inszenierten Erlebnisses wahrgenommen werden.
Barocke Schlösser:
- Pompöse Repräsentationsräume (z. B. Spiegelgalerie in Versailles)
- Deckenfresken, verspielter Stuck und vergoldete Ornamente
- Prunkvolle Treppenhäuser als zentrale Elemente
- Sichtachsen: Die Räume sind in einer geraden Linie angeordnet
Barocke Kirchen:
- Hohe, lichtdurchflutete Kuppeln oder Gewölbe
- Dramatische Lichtführung durch hohe Fenster und Fresken
- Reich verzierte Altäre, oft mit Gold, Stuck und illusionistischer Malerei
- Eindruck von Weite und Bewegung
Barock-Architektur schüchtert nicht nur den Blick ein, sondern zieht den gesamten Menschen in ihren Bann und wird zum ästhetischen Gesamt-Erlebnis.

Foto: C.Stadler/Bwag - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
Wichtige Architekten des Barock
Bedeutende Baumeister des Barock waren u.a.
- Gian Lorenzo Bernini (Italien)
- Francesco Borromini (Italien)
- Johann Balthasar Neumann (Bayern)
- Andreas Schlüter (Preußen)
Entwicklung der Barock-Architektur

Foto: Hugo DK - CC BY-SA 4.0
Die Kirche Il Gesù in Rom, erbaut ab 1568 nach den Plänen von Giacomo Barozzi da Vignola und vollendet von Giacomo della Porta, spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Barock-Architektur. Sie gilt als Prototyp der barocken Kirchenarchitektur und beeinflusste zahlreiche spätere Sakralbauten in Europa.
Ein besonders innovatives Element war die Fassade, die von della Porta gestaltet wurde. Sie verbindet klassische Renaissance-Elemente mit einer neuen Dynamik: Die zentrale Mittelachse wird durch Pfeiler, Halbsäulen und ein betontes Portal hervorgehoben, während geschwungene Gesimse und Voluten (spiralförmiges, eingerolltes Zierelement) eine lebendige Bewegung erzeugen. Dieses Prinzip wurde zum Vorbild für viele barocke Kirchenfassaden.
Auch der Innenraum hatte großen Einfluss auf die Barock-Architektur. Statt einer traditionellen Basilika mit vielen Seitenschiffen setzte Il Gesù auf eine weite, einheitliche Raumwirkung mit einem großen Tonnengewölbe und seitlichen Kapellen. Diese Gestaltung sorgte für eine monumentale, theatralische Wirkung und eine stärkere Konzentration auf den Altar – ganz im Sinne der Gegenreformation, die die Gläubigen emotional berühren wollte.
Die Kirche Il Gesù begründete somit die barocke Inszenierung von Raum, Licht und Dekoration und wurde zum stilistischen Vorbild für spätere Kirchenbauten in Italien, Spanien, Süddeutschland und Lateinamerika.
Arbeitsblatt zum Thema Barock-Architektur

Barock-Architektur
Da ich ja auch Kunstlehrer bin, habe ich für meine Schülerinnen und Schüler ein Arbeitsblatt erstellt, dass die wichtigsten Grundlagen zum Thema "Architektur des Barock" enthält. Man darf dieses Arbeitsblatt gerne herunterladen und zu schulischen (nicht-kommerziellen) Zwecken verwenden.
- Arbeitsblatt "Architektur des Barock" (PDF, ca. 1,1 Mb)
In meinem Unterricht lege ich Wert darauf, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende die fünf wichtigen Baustil-Epochen vor 1900 kennen und unterscheiden können.
Das sind die ... Romanik → Gotik → Renaissance → Barock → Klassizismus.
Video zum Thema Barock: Stil Epochen 06 - Barock (1600-1780)