Gouache Bilder malen mit deckenden Farben | Gouachemalerei von Martin Mißfeldt

Gouache Bilder malen (online Tutorial Gouachemalerei)

Gouache Malerei

Gouache Malerei - Tutorial
Gouache Malerei - Tutorial

Als Gouache (auch Guasche, oder Gouasche, aus dem italienischen guazzo, d.h. "Lache") wird eine bestimmte Maltechnik mit meist deckenden, wasserlöslichen Farben bezeichnet. Gouache-Farben, die von der Industrie extra zu diesem Zweck hergestellt werden, gehören zu den Wasser-Farben, weil sie mit Wasser zu malen sind. Im Gegensatz zum Aquarell wird in einem Gouache-Bild auch Weiß als Farbe benutzt. Die Gouache Farben werden meist deckend aufgetragen und wirken dadurch eher matt. Sie leuchten nicht so wie Aquarellfarben, die transparent lasierend gemalt werden. Bei der Gouache Malerei kann die Farbe im Unterschied zur Aquarellmalerei pastos vermalt werden. Dadurch entstehen Malspuren wie Furchen und Grate wie bei der Acryl- oder Ölmalerei. Die im folgenden wird eine von vielen Methoden gezeigt, wie ein Gouache Bild gemalt wird. Denn wie bei allen künstlerischen Bildern ist die Technik nur Mittel zum Zweck...

Gouache Farbe - Merkmale und Besonderheiten

Gouache Vorzeichnung
Gouache Vorzeichnung

Gouache Farbe besteht wie alle Farben aus einem Farbpigment und einem Bindemittel. Als wasserlösliches Bindemittel wird bei industriell hergestellter Gouache-Farbe meist Gummi Arabicum verwendet. Hinzu kommt meist ein Streckmittel wie zum Beispiel Kreide. Die Farbe erhält dadurch zum einen ihre deckende Wirkung, und zum anderen erhält sie dadurch eine "Dickheit", die einen pastosen Farbauftrag ermöglicht.

Ich nutzte für meine Cartoon-Bilder Gouache- und Aquarell-Farben. Die Farbe Weiß ist bei der Gouache-Malerei von erheblicher Bedeutung, daher sollte man beim Kauf auf erstklassige Qualität achten (z.B. Titanweiß). Da es oft den anderen Farben beigemischt wird, kann ein vergilbendes Weiß das gesamte Bild verändern. Manchmal benutze ich auch Wasserfarbe aus einem "billigen" Schultuschkasten zum Gouache-Malen. Diese hat im Vergleich viel weniger Farbpigmente und mehr Binde- und Streckmittel (was den geringen Preis erklärt). Sie wirkt dadurch erheblich matter, was gezielt eingesetzt werden kann. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass diese kostengünstigen Farben oft nicht besonders lichtecht sind und im Laufe der Zeit nachdunkeln oder sogar ihre Farbigkeit ändern. Insbesondere das Deckweiß aus den Tuschkästen ist von geringer Farbqualität und vergilbt schnell. Im folgenden Tutorial über Gouache-Malerei wird die Entstehung eines Gouache-Bildes vorgestellt. Ich beschreibe den Prozess beispielhaft anhand des Cartoon-Bildes "Proserpina-Giraffe".

Schritt 1: Vorzeichnung und Untermalung

Gouache Vorzeichnung
Gouache Vorzeichnung

Zunächst wird das Bild in groben Zügen auf einem Blatt Papier mit Bleistift (B2 oder weicher) locker skizziert. Da die Gouache-Farbe des fertigen Bildes deckend sein wird, bleiben keine Spuren der Vorzeichnung sichtbar.

Nach der Vorzeichnung folgt die Untermalung. Mit einem hellen Ocker, manchmal bis hin zu einem dunklen Braun wird der komplette Malgrund mit einem 20er Haarpinsel zugemalt. Die Farbe wird hierbei nicht deckend, sondern lasierend gemalt. Anschließend wird der Schatten des Inkarnats (der Haut), die Helligkeit des Fensters sowie die Lichter des Gewandes hinzu gemalt. Die Untermalung dient dazu, zunächst einen Mittelton im Bild zu haben, von dem aus dann nach hell bzw. dunkel weitergemalt wird.

Die anschließende Vorgehensweise ist in aller Regel wie folgt: Für deckende Farbflächen wird von dunkel nach hell gemalt. Nichts ist schlimmer, als eine Spur Deckweiß in einer Fläche zu haben, die tief dunkel sein soll. Wenn die Farben jedoch nur lasierend aufgetragen werden sollen, z.B. in leuchtende Licht-Partien, wird von hell nach dunkel gemalt. Also in aller Regel beginnend mit gelb über oragnge/ocker hin über grün oder rot bis hin zu blau (bzw. je nach Helligkeit der Farbwerte). Anschließend wird das Blatt Papier 24 Stunden gepresst und getrocknet: Es wird zwischen zwei trockene, saubere Papierbögen gelegt, in Zeitungspapier gehüllt und auf einem Tisch mit einer festen Holz- oder Glasplatte belegt. Diese Platte wird dann mit Gewichten beschwert (ca. 20 kg).

Gouache Untermalung
Gouache Untermalung

Schritt 2: Grobe Verteilung der Farbflächen

In diesem Stadium ist zunächst der gesamte Hintergrund nocheinmal mit einem dunklen Braun übermalt worden. Die Hautpartien bekommen eine weitere Farben, ebenso das Gewand. Die Farbflächen sitzen noch ziemlich grobschlächtig nebeneinander. Die Gouache Farbe wird während dieser Mal-Schritte noch nicht komplett deckend, sondern noch grossflächig und teilweise lasierend eingesetzt. Im jetzigen Stadium der Gouache Malerei geht es um das Anlegen des Bildgerüstes. Es sind noch vorbereitende Malschichten.

Wichtig ist, genügend Farbe aus dem Kasten (ich nutze den Aquarellkasten von Schminke) auf das Papier zu bringen. Wenn man zu wenig Gouache-Farbe nimmt, löst sich bei der anschließenden Vermischung der Farbflächen relativ leicht das Papier auf. Je schlechter das Papier, um so eher zeigen sich schadhafte Stellen. Die Folge sind kleine Papierfetzen, die sich aufrollen und wie Schmirgelsand auf dem Blatt kleben. Die Pinselstärke für diesen Arbeitsschritt beträgt zwischen 5er und 10er Pinsel, je nach Bildgröße. Erneut wird das Blatt Papier nun getrocknet und gepresst.

Schritt 3: Hell-Dunkel Verteilung - Licht und Schatten

Farbmodulation, Details
Gouache Farbschichten

In dieser Arbeitsphase werden die Hell-Dunkel-Flächen vorbereitet: Um eine möglichst satte und tief-dunkle Fläche zu erhalten, nimmt man die farbe Schwarz bestenfalls als Beimischung. Die richtig dunklen Bereiche lassen sich durch überlagerung von Magenta-Rot, Baumgrün (oder so) und Ultramarin-Blau erzeugen. Ich arbeite in aller Regel mit einem Aquarellkasten und Gouache-Tuben von Schmicke. Die Qualität ist sehr gut. Es gibt sicher auch andere Hersteller, die Aquarell- und Gouache-Farben von vergleichbaren Qualität anbieten (z.B. Gerstaecker, Lukas oder Lascaux). Als Malwerkzeug benutze ich vorwiegend Rotmarder-Pinsel von Da Vinci. Aber auch Synthetik-Pinsel wäre geeignet.

In dem Bild der Proserpina soll der dunkle Hintergrund am Ende warm und heimelig wirken (eben so ein bissel Prinzessinen-Märchenschloss). Daher wird zunächst direkt aus dem Kasten oder der Tube Grün und Blau aufgetragen, die auf dem Papier grob gemischt wird. Über die hellen Farben werden nun auch die ersten Details vorbereitet: Die Hände, das Gesicht, der Efeu links. Das Gewand hat seine "Naturfarbe" bekommen, damit es im folgenden aus dem Helldunkel heraus modelliert werden kann. Anschließend wird das Bild wieder gepresst.

Schritt 4: Plastizität und Brillianz

fertige Gouache
fertige Gouache

(Proserpina)

Die Flächen sind mit Gouache Farbe bedeckt. Nun kann man mit einem feinen Haarpinsel, der nur mit Wasser benetzt ist, die Farben auf dem Blatt anfeuchten und vermischen. Wichtig ist, bei diesem Vorgang immer wieder das Wasserglas zu säubern. Am Besten hat man wenigstens zwei oder drei Gläser mit Wasser bereit stehen. Sonst kann es leicht zu einem Vergrauen kommen. Man muss Gouache Bilder nicht immer matt und grau malen.

Aber auch so wird es immer etwas gräulich. Die einzelnen Farben verlieren durch die Mischung natürlich an Leuchtkraft. Daher wird anschließend auf die Partien, die am Ende leuchtend farbig sein sollen, nochmals vorsichtig lasierend ein Farbton mit reinen Aquarellfarben darübergelegt. So kann man gezielt einzelnen Bildpartien eine leuchtende Strahlkraft und Farb-Brillianz geben. Auch die dunklen Flächen sind hier mit einer Mischung auf dem Papier zwischen Magenta-Rot und braunem Ocker nochmals übermalt und haben nun die warme Tiefe, die sie haben sollen. Durch einen Anteil an billigen Tuschkasten-Farben wirken diese Partien erheblich matter uns spröder. Ein Farbkontrast der besonderen Art. Die Farben hellen mit dem Trocknen etwas auf. Bei Malen sehen die Farben dunkler und kräftiger aus. Die Gouache-Malerei erfordert daher viel Übung und Erfahrung.

Schritt 5: Details und Feinheiten

Sogut - soweit. Nun werden die Details gemalt. Ich male dabei immer vom Schwierigen zum Einfachen. Im exemplarischen Gouache Bild also zunächst Efeu, Hände und Gesicht. Für die Haare und Lichtreflexe habe ich einen 0.5er Pinsel benutzt, sehr feine Spitze. Wichtig ist, dass die Pinselspitze nicht ausgefranst ist. Das passiert durch ungeeignete Pinselpflege oder -lagerung oder durch unsachgemäßen Farbauftrag wie "Schrubben bis zur Metalleinfassung".

Mit der Wasserfarbe Gouache zu malen brigt keinerlei Risiko, man kann praktisch nichts falsch machen. Es erfordert jedoch eine Menge Übung und Erfahrung, um die ganze Palette der Gouache Farben auszureizen. Im Laufe der Zeit wächst die Erfahrung mit der Gouache Farbe. Das Malen fällt dann um so leichter. Da die Farben wasserlöslich sind, kann man jderzeit korrigieren. Dadurch kann man sich auch ganz auf das Bild als Kunstwerk konzentrieren. Hoffentlich hat dieses Tutorial über das Malen mit Gouache Farbe geholfen. Viel Erfolg.

Martin Mißfeldt, im Dezember 2006

Weblinks Gouache

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