Kunst & Malerei Blog von Martin Mißfeldt

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Uralte Jugendbilder aus der Mottenkiste

Gestern habe ich wieder 6 Bilder aus der Mottenkiste gekramt und digitalisiert. Ich fühle mich manchmal wie ein Wissenschaftler, der über ein bestimmtes Thema recherchiert. Teilweise sind die Bilder schon so weit weg, das ich mich kaum noch daran erinnert hätte, wenn sie nicht vor mir liegen würden. Das hat aber den Vorteil, dass man die Sachen ganz anders beurteilt. Viele Bilder, die ich früher eher als „Unfälle“ bezeichnet hätte, bekommen in der Rückschau (vor dem Hintergrund der Bilder, die ich danach gemalt habe) eine ganz neue Bedeutung.

Das Aquarell links mit einem „Giraffenkopf“ (1992) ist eigendlich gar kein Jugendbild, sondern stammt aus der Zeit meines Kunststudiums. Es entspringt einer Phase, in der ich mit Aquarellfarbe und reinem Alkohol als Verdünner gearbeitet habe. Es war in dieser Serie eine große Ausnahme, weil ich hier nicht symbolische, kinderartige Kürzel, sondern eher nach der Natur gemalt habe.

Das zweite Bild ist ebenfalls ein Aquarell. Es zeigt einen „Garten auf Capri„. Im Hintergrund das Meer und der blaue Himmel. Dieses pointilistisch gemalte Aquarellbild habe ich auf meiner ersten Malreise nach Capri gemalt (4. Juli 1996). Dieses Bild habe ich früher immer für langweilig und uninteressant gehalten. Heute gefällt es mir ganz gut.

Als drittes Bild zeige ich den „Hürdenläufer„. Ich habe ihn von einem alten Foto eingescannt. Daher kann ich zu diesem Bild auch keine Bilddetails anbieten. Die Qualität des Fotos ist einfach nicht ausreichend. Wo das Original ist – keine Ahnung. Wahrscheinlich habe ich es, wie so oft, an irgendjemand von meine alten Schulfreunden verschenkt.

Der Hürdenlüfer stammt aus einer, hmm, naja vielleicht futuristisch angehauchten Phase. Das Bild ist mit Rauten überzogen, die verschiedene Farbwerte haben. Ich erinnere mich, dass ich „Dynamik und Geschwindigkeit“ im Bild erzeugen wollte.

Das vierte hier vorgestellte Bild zeigt das „Portrait einer alten Frau„. Ich habe in meiner Jugendzeit relativ viele Portraits gemalt, oft nach Modellen aus meinem Freundeskreis. Ich habe hier noch ca. 10 – 12 solcher Portrait in der Kiste. Die werde ich in den nächsten Tagen mal zeigen. Dieses Portrait ist eigentlich gar kein richtiges, weil ich es nach einem Foto gemalt habe. Ich glaube, es entstammte einem Artikel über „Armut im Alter“ oder so. Es ist mit Ölfarbe auf Pappe gemalt. Heute würde ich sagen: nicht besonders gut gemalt, aber ein eindringliches Bildnis.

In diese Phase fällt auch das „Selbstportrait im Regen„. Ich erinnere mich gut, dass ich zunächst eine „realistisches“ Bild gemalt habe – mit einem Spiegel vor der Staffelei. Aber es hat mich gelangweilt. Die „realistischen“ Bilder – und insbesondere Selbstbildnisse – blieben für mich immer nur an der Oberfläche. Ich habe daher mit einem dicken Pinsel in schneller und grober Malweise darüber gemalt. Und heraus kam, zu meiner großen Überraschung, ein Bildnis, das aussieht, als würde jemand hinter einer verregneten Fensterscheibe ins Freie schauen.

Ein wunderbares Bild, auch im übertragenen Sinne: Es war tatsächlich, als würde ich hinter einer verregneten Glasscheibe (im Glashaus) sitzen, und die „Wirklichkeit“ nur verzerrt und verschwommen sehen. Aber ich hatte das gar nicht geplant, es ist zufällig so geworden. Eigentlich nur, weil ich das darunter liegende Bild zerstören wollte. Immerhin war ich motiviert genug, weiter nach „Klarheit in meinen Bildern“ zu suchen…