Kunst & Malerei Blog von Martin Mißfeldt

Diese Website verwendet Cookies, Google Analytics und zeigt interessenbezogene Werbung. Datenschutzhinweise öffnen ... Ok, einverstanden.

Der Jaguar aus Jena und andere Auto-Bilder

Manchmal erlebt man unerwartete Überraschungen: Da habe ich vor kurzem eine Bleistift-Zeichnung von mir gefunden, die ich überhaupt nicht mehr auf dem Schirm hatte. Dabei ist „Der Jaguar aus Jena“ eine der größten Bleistift-Zeichnungen, die ich je gezeichnet habe (70 x 50 cm). Aber das eigentlich Interessante daran ist, dass ich im letzten Jahr zwei Speedpainting-Videos von Autos gemalt habe. Und schon damals konnte ich nicht fassen, was mich dazu bewogen hat. Aus tiefster Überzeugung bin ich ein Autohasser. Ich höre nicht gerne Autos, ich rieche nicht gerne Autos, ich fahre nicht gerne Autos. Und daher sehe ich auch nicht gerne Autos. Eigentlich. Aber es gibt da offenbar eine Ausnahme: eben den Jaguar. …

Das erste „Auto“-Speedpainting mit einem Jaguar XK140 (vor dem Casino von Monte Carlo) habe ich am 4. Juni 2007 gemalt: digital mit Adobe Photoshop und meinem Wacom Grafiktablett Intous3 A4. Untertitel: „Money makes unhappy„. Es zeigt einen roten Jaguar, der in der Sonne blitzt, vor der schemenhaft angedeuteten Kulisse von Monte Carlo. Insbesondere die elegante Schnautze Frontpartie hat es mir angetan. Aber auch die Speichen der Räder und die breite Windschutzscheibe. Insgesamt besteht das Auto (bzw. das Bild) eigentlich nur aus weichen Wellenlinien, die sich harmonisch zu einem Gesamtklumpen zusammenfügen. Hier das Speedpainting des Jaguar XK140:


Der andere Speedpainting-Jaguar ist etwas abgehoben. Es handelt sich um die Darstellung einen Jaguar E-type aus purem Gold auf dem Mars. Irgendein reicher Trottel (Astronaut auf dem Bild im Hintergrund „Me, looking for the pool„) hat seinen teuer bezahlten Marsflug mit seinem Luxusschlitten angetreten. Den E-type Jaguar verbinde ich übrigens immer mit einen coolen Film, in dem Steve McQueen mit so einem Jaguar durch die Gegend saust (Titel vergessen).

Nun ja, warum also nun die Jaguare? Ich weiss es selber nicht so recht. Es gibt einen sehr schöne (und humorigen) Aufsatz vom großen Kunsthistoriker Erwin Panofsky. In der Reihe „Drei Esseys über den Stil“ lautet der dritte Aufsatz: „Die ideologischen Vorläufer des Rolls-Royce-Kühlers„. Wie immer bei Panofsky wunderbar geschrieben und einleuchtend argumentiert. Kurzgefaßt leitet Panofsky den Kühler des Rolls-Royce aus kunsthistorischen Vorbildern ab, zum Beispiel vom antiken Tempelportikus und der englischen Landschaftsarchitektur. Aber so schön dieser Aufsatz auch ist, er hat einen Fehler: Panofsky spricht von Rolls-Royce und nicht vom Jaguar.

Jagur? Ich weiss es nicht. Es ist vielleicht dieser Hauch von Luxus und Freiheit, der in der geschwungenen Form zum Ausdruck kommt…

Ich stelle gerade fest, dass es noch ein Bild gibt, in dem ein Jaguar auftaucht: „Das sechs-Mio-Dollar-Huhn“ aus dem Jahr 2006. Es ist ein „short-Comic„, ohne Anfang und ohne Ende. Im ersten und siebten Panel ist ein gelber Jaguar zu sehen, in der eine Frau sitzt, die aus einem Bild von Tamara Lempicka entsprungen zu sein scheint.

Bleibt eigentlich nur eine Frage: Warum „aus Jena„? Nun, erst im Jahr 2000 wurde mir die tiefe materielle Kluft zwischen Ost und West so richtig bewußt. Bis dahin hatte ich der deutschen Einheit eine Art „Übergangsphase“ zugebilligt. Aber im Boomjahr 2000 wurde dann klar, dass die sozialen Differenzen zwischen Arm und Reich immer größer werden. Und die Luxuskarossen („Geltungstriebwagen„), die durch den abgeranzten Osten fuhren, veranschaulichten das auf eindringliche Weise. Es hätte übrigens auch der „Jaguar aus Berlin“ sein können. Ich fand nur den Jaguar aus Jena noch eindringlicher. Denn Jena ist noch viel mehr Ost als Berlin, zumindest damals…

Weiterlesen?