Kunst & Malerei Blog von Martin Mißfeldt

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Georg Baselitz, ein Steuerhinterzieher?

Georg Baselitz (Speedpainting von Missfeldt)

Georg Baselitz (Speedpainting von Missfeldt)

Entsetzt las ich eben die Meldung bei SpiegelOnline, dass es bei Georg Baselitz eine Hausdurchsuchung gegeben haben soll. Grund: Verdacht auf Steuerhinterziehung. Da ich bei Georg Baselitz studiert habe und ihn 1991 kennengelernt und ihn ca. 4 Jahre lang als Prof und Mensch erlebt habe, möchte ich ein kurzes Statement dazu abgeben. Georg Baselitz ist neben Gerhard Richter der bedeutendste Maler der Gegenwart. Er hat viele bahnbrechende Erneuerungen in der Kunst zu verantworten, und sein umfangreiches Oevre strotzt vor malerischer Leidenschaft. Ich ahne, dass die vereinigte Presse und Politik nun auf ihn einprügeln wird. Dabei darf man die Bedeutung seiner Kunst nicht vergessen.

Das breitbeinige Posieren mit Zigarre

Der Baselitz war in den Momenten, in denen er nicht gemalt hat, natürlich ein Mensch wie jeder andere. Und er war durchaus stolz auf seinen Erfolg. Man darf nicht vergessen, dass er aufgrund missliebiger Bilder seinerzeit in der DDR verurteilt wurde, im Bergbau zu schuften. Er floh dann in den Westen, wurde dort aber zunächst ebenso verpönt. Die Menschen haben es einfach nicht verstanden, dass ein Bild eben Farbe auf Leinwand ist, die im Kontext der Bilder zu betrachten ist, und nicht das Illustrieren von erzählerischen Kommentaren. Ein Baselitz-Bild ist visuelle Lyrik, keine visualisierter Kommentar. Mit dem Aufkommen der Neuen Wilden Mitte der 80 Jahre wurde Baselitz dann ein Star. Und er hat es sichtlich genossen. Den dicken Mercedes, die schicken Anzüge aus London, das breitbeinige Posieren mit Zigarre. Nach der Ausstellung im New Yorker Guggenheim-Museum war er im Pantheon der Kunst angekommen und seine Werke werden seither zu schwindelerregenden Preisen gehandelt. Vielleicht sollte man diese Perversion des Kunstmarktes nun ebenso an den Pranger stellen.

Kunst ist das Gegenteil von Geld

Kasperkopf (Selbstportrait, 1993)

Kasperkopf (Selbstportrait, 1993)

Bevor man ihn nun zum Verbrecher macht: ein Künstler ist kein Geschäftsmann. Der Baselitz hatte neben seinem Sekretär eine Menge Berater, um das viele Geld, das der Baselitz sicherlich seither bekommen hat, irgendwie anzulegen. Wer nur etwas von künstlerischer Arbeit versteht, der weiß: die Beschäftigung mit Geld ist absolut (!) unkreativ und uninspirierend. Ich würde sogar sagen: Geld ist das Gegenteil von Kunst. Das wird durch den Kunstmarkt nur verschleiert.

Man kann mir erzählen, was man will: das Anlegen von Geld hat Baselitz nicht interessiert. Wer sich für Geld interessiert, kann nicht solche Bilder malen. Man sollte sich bewusst machen, dass hinter einem erfolgreichen Künstler ein Heer von Organisatoren und Beratern steht. Sicherlich ist der Baselitz für die Wahl seiner Berater verantwortlich. Und natürlich steht man aus Desinteresse am Geld nicht über dem Gesetz. Aber:

Was auch immer man ihm vorwirft, ich kann nur hoffen, dass man die Bedeutung des Malers Georg Baselitz nicht aus den Augen verliert.

Hier ein Speedpainting, dass ich von ihm gemalt habe (2008):

Hier das finale Bild (wobei es darum gar nicht ging).

Siehe auch

Abschließend ein Giraffen-Cartoon (nach dem Baselitz-Bild „Mädchen von Olmo„) von 2006:

Regen im Mai ...

Regen im Mai …