Kunst & Malerei Blog von Martin Mißfeldt

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Edward Gorey – ein begnadeter Zeichner

Edward Gorey (Google Doodle)

Edward Gorey (Google Doodle)

Der amerikanische Künstler und Illustrator Edward Gorey wäre am 22. Februar 88 Jahre alt geworden. Leider ist der begnadete Zeichner bereits vor 13 Jahren gestorben (15. April 2000). Google ehrt Gorey mit einem Doodle auf der Startseite, und ich möchte mal den Bogen schlagen zu anderen Zeichnern, deren Werke meine Kunst erheblich beeinflusst haben. Doch zunächst kurz zum Doodle: Es zeigt eine Art kurzen Comic-Strip, ohne dass dabei allerdings eine sinnvolle bzw. nachvollziehbare Geschichte erzählt würde. Es handelt sich viel mehr um Einzelbilder, je ein Buchstabe aus dem Google-Logo, die mit Figuren bzw. Tier-Illustrationen aus der Welt des Edward Gorey bereichert wurden.

Edward Gorey Goodle Doodle

Edward Gorey Goodle Doodle

Es ist ein Spiel mit den Farben Schwarz-Weiß und Gelb. Das Gelb ist vermutlich eine Anspielung auf das inzwischen vergilbte Papier, dass vielen der alten Meisterzeichnungen so eine besondere, historische Aura verleiht. Wenn es so gemeint sein sollte, so wird der Effekt in meinen Augen nur bedingt deutlich. Interessant ist, dass nur im Schal des Vogels (links schwarz und rechts gelb) ein rot-Ton auftaucht – ein besonderen grafischer Akzent.

Ansonsten fällt auf, dass es eine Reihe von Figuren doppelter Ausführung gibt: die weiße und graue Katze, das Schaf, das einmal in einem weißen und einmal in einem gelben O erscheint. Die Fassade des Hauses bei den Schafen ist ebenfalls „umgedreht“: links ist das Muster mit den hängenden Fassadenkacheln unten, rechts ist es oben. Ich habe – auch aus praktischen Gründen, mal das Doodle zerschnitten und untereinander gestellt. Interessant, welche neue Bild-Bedeutung die einzelnen Teile dadurch erhalten. Es ist eben keine Geschichte, sondern eine grafische Kombination:

Edward Gorey Doodle (zerschnitten)

Edward Gorey Doodle (zerschnitten)

Links sitzt Edward Gorey hinter dem Google-G, auf dem er zeichnet oder schreibt. Es scheint fast, als lasse er sich von den merkwürdigen Bildchen inspirieren. In der Tat war Gorey ein „Quatschmacher“, manche sagen gar ein „Surrealist“. Von ihm stammt das folgende Zitat: „If you re doing nonsense it has to be rather awful, because there d be no point. I m trying to think if there s sunny nonsense. Sunny, funny nonsense for children — oh, how boring, boring, boring. As Schubert said, there is no happy music. And that s true, there really isn t. And there s probably no happy nonsense, either.“ Frei übersetzt: „Wenn man Unsinn macht, muss das schrecklich sein, weil es keinen Sinn macht. Ich versuche zu denken, ob es „lustigen Unsinn“ gibt. Fröhlichen, lustigen Unsinn für Kinder – oh, wie langweilig, langweilig, langweilig. Wie Schubert (der Komponist) bereits sagte: es gibt keine fröhliche Musik. Das ist wahr, es gibt sie wirklich nicht. Und vielleicht gibt es auch keinen fröhlichen Unsinn.“ Es sind die Worte eines Zweiflers, der die Linie laufen lässt, und anschließend verzweifelt versucht zu reflektieren, was er da eigentlich tut.

Der in Chicago geborene Gorey war weitgehend Autodidakt. Sein Zeichentalent zeigte sich früh, und nach der Schulzeit arbeitete er als Illustrator. Sein ungewöhnlich unterkühlter Zeichenstil und sein makaberer Humor gewannen einen kleinen, aber feinen Kreis Interessierter. Bekannt wurde Gorey dann – wie so viele – durch einen Artikel in The New Yorker. Der inzwischen unabhängige Gorey hatte alle Freiheiten, sich eseienn Inetressen zu widmen. Man könnte ihn fast als „Universal-Zeichengenie“ bezeichnen. Gorey starb am 15. April 2000 unverheiratet und kinderlos im Cape Cod Hospital in Hyannis an einem Herzinfarkt. Sein Wohnhaus, genannt Elephant House, ist heute ein Museum, in dem sein Leben und Werk dokumentiert wird.

Edward Gorey

Edward Gorey

In dem sehr ausführlichen und fundierten Wikipedia-Artikel zu Edward Gorey finden sich zwei weitere Zitate: „Steven Heller beschrieb Goreys Darstellung vergangener Zeiten wie folgt: „Seine minutiöse Linienführung, gepaart mit scharfsinnigem Gespür für die britische Ausdrucksweise, bringt ein grafisches Bühnenbild viktorianischer Zimmer mit Polstermöbeln, omnipräsenten Urnen und düsteren Vorhängen hervor.“ Ähnlich äußert sich ein Artikel in Die Zeit: Goreys Kleinkindergestalten „agieren, zusammen mit Männern mit düsterer Stirnfalte, in knöchellangen Mänteln und gestreiften Schals, zusammen mit verschleierten Damen im knisternden schwarzen Taftkleid, zusammen mit verschlagen blickenden Domestiken und bösartig sich ringelndem Kleingetier, in einer Welt, die viele viktorianische Attribute hat, aber doch von Gorey geschaffen wurde. Schwere Samtportieren, tiefe Fauteuils, geblümte Tapeten und Teppiche, getäfelte Wände sind die konstanten Requisiten, düstere Herrenhäuser und endlose, entlaubte Parks die bevorzugten Schauplätze.““ Mehr über Gorey und viele Bilder von ihm bei www.edwardgoreyhouse.org

Hier noch das Doodle, mit Musik untermal, als Video:


Edward Gorey Google Doodle (22.2.2013)

Surealist, Gothic, … egal

Ob nun „Surrealist“ oder „Gothic“ oder oder. Ich halte diese Form der „Kategorisierung“ für Quatsch. Denn es geht nur um die Zeichnung – völlig unabhängig von dem, was dargestellt ist. Gorey hat zwar auch Illustrationen gezeichnet, mit denen etwas Konkretes vermittelt werden sollte. Aber seine eigentliche (künstlerische) Leistung sind eben die Blätter, in denen er nicht „erzählt“ oder „vermittelt“. Er zeichnet einfach, und was dabei herauskommt, mag für viele Betrachter so überraschend und teilweise unbequem sein, dass sie Dinge hineingedeutet haben. Vielleicht ist das der Grund für seine Popularität. Aber was man dabei nie vergessen darf: eine Zeichnung ist eine Zeichnung.

Ich persönlich bin etwas überrascht über das Gorey Doodle. Ich  hätte ihn eher als „weniger populär“ eingeschätzt, im Vergleich zum Beispiel zum großen Meisterzeichner Saul Steinberg, dem Google bislang noch kein Doodle gewidmet hat. Aber egal, der Saul wird sicherlich auch noch gewürdigt 🙂

Hier noch ein Video, das Bezug nimmt auf das „Fahrrad“ im heutigen Doodles. Es zeigt die skurile Story des „epileptische Fahrrad“ 🙂

Google-Doodler lieben morbide Zeichner

Die Doodle-Abteilung liebt offenbar die morbiden Zeichner bzw. den „morbiden Zeichenstil“ (welche/r Zeichner/Zeichnerin das Gorey-Doodle umgesetzt hat, habe ich noch nicht herausgefunden). Im folgenden ein paar Beispiele:

Bram Stoker Doodle (8. Nov. 2012)

Bram Stoker Doodle (8. Nov. 2012)

Das Bram-Stoker-Doodle wurde offenbar von dem gleichen Zeichner realisiert, der auch das „Goethe-Doodle“ erstellt hat. Merkwürdige Interpretation von Goethe, finde ich 😉

Goethe Doodle (28. Aug 2011)

Goethe Doodle (28. Aug 2011)

Auch das Doodle zu Ehren von Charles Addams (Erfinder der Addams Family) hat diesen morbiden Charme:

Charles Addams Doodle (6. Jan. 2012)

Charles Addams Doodle (6. Jan. 2012)

Ein paar Zeichnungen von mir

Abschließend noch ein paar Zeichnungen von mir. Edward Gorey hat für meine Arbeiten eigentlich weniger eine Rolle gespielt. Es war eher Ronald Searle (der übrigens genau wie Gorey einen Hang zu Katzen hatte), der mich nachhaltig beeindruckt hat. Hier ein paar Bilder, die aus diesem Dunstkreis inspiriert sind:

Easy Rider (1993)

Easy Rider (1993)

oder …

Der Handlungsreisende ...

Der Handlungsreisende …

oder

Hubschrauber-Terror ...

Hubschrauber-Terror …

Wer mehr davon anschauen möchte: zum Beispiel hier 🙂

Mehr über „Die Kunst, zeichnen zu lernen“ bzw. „Zeichnen lernen Grundlagen

Weitere interessante Doodles