Bleistiftzeichnungen, Portrait-Zeichnungen, Skizzen, Cartoons

Bleistift-Zeichnungen - Die Kunst, Zeichnen zu lernen - Tipps und Anregungen

Realistische Bleistift-Zeichnungen

Dieser Essay behandelt das Thema Zeichnung. Und zwar mit der Einschränkung der "künstlerischen Zeichnung": Bleistiftzeichnungen, Portraitzeichnungen, elegante Skizzen und realistische Zeichnungen nach der Natur. Die Grenze zur rein "technischen" Zeichnung ist sicherlich fließend, aber der Fokus liegt hier auf dem Thema: "Die Zeichnung als künstlerisches Ausdruckmittel". Mehr über die Wesensmerkmale einer Zeichnung.

Am weitesten verbreitet und den meisten bekannt ist sicherlich die Bleistiftzeichnung. Als Bildgrund wird in den meisten Fällen Papier benutzt. Bleistifte und Papier sind günstig und praktisch überall ohne Probleme zu erwerben. Da die nötigen Arbeitsmittel so einfach zu beschaffen sind, kann man die Bleistiftzeichnung ist eine sehr "einfache" Ausdrucksform bezeichnen, die praktisch jeder erstellen kann. Das Zeichnen mit Bleistiften ist daher sehr gut geeignet, um Zeichnen zu lernen. Mehr dazu weiter unten. Übrigens kann man auch Aquarellbilder von Mißfeldt kaufen :-).

Die Technik sagt noch nicht darüber aus, was gezeichnet wird. Insbesondere Hobbykünstler und Freizeitmaler, die die künstlerische Ausdrucksform als Freizeitbeschäftigung betreiben, setzen sich häufig unter Druck. Ihr Anspruch ist oft, realistische Zeichnungen zu erstellen. Immer wieder kommen folgende Fragen: "Wie kann ich realistisch zeichnen?" oder: "Meine Zeichnungen sehe falsch aus, wie zeichnet man richtig?" Wie man zeichnen lernen kann, wird weiter unten behandelt. Hier soll es erstmal um die Besonderheiten von realistischen Zeichnungen gehen.

Beobachten und Zeichnen

Realistische Bleistiftzeichnungen basieren auf der Beobachtung der Natur. Sie zeigen einen Ausschnitt aus der Realität, der einer fotografischen Momentaufnahme ähnelt. Allerdings gibt es natürlich einen wesentlichen Unterschied: Bleistiftzeichnungen zeigen haptische Spuren des Zeichenprozesses. So entstehen zum Beispiel Verwischungen, wenn der Handballen auf dem Papier lagert. Beim genaueren Hinsehen zeigen sich zahlreiche "Fehler" bzw Unterschiede zu einem Foto. Diese feinen Fehler, durch die erkennbar wird, dass es sich um ein handgezeichnetes Bild handelt, sind entscheidend für die realistische Künstler-Zeichnung. Im folgenden Video habe ich meine Professor, Georg Baselitz, gezeichnet:


Bleistiftzeichnung von "Georg Baselitz", Martin Mißfeldt, 4.2.2013

Abmalen von Fotos / Fan-Art

Eine Besonderheit bilden Zeichnungen, die nicht nach der Natur, sondern nach Fotos abgezeichnet wurden. Der Fokus liegt hierbei nicht im Beobachten und "Interpretieren" des Motivs, sondern in der Darstellung des gezeigten. Diese Form der realistischen Zeichnung ist nicht als künstlerische Ausdrucksform, sondern als "Fan-Art" zu betrachten. Der Zeichenprozess rückt in den Hintergrund. Antrieb war nicht die Zeichnung an sich, sondern das Motiv.

Zeichnungen mit Tusche und Feder

Neben dem Bleistift sind auch Tusch-Zeichnungen sehr beliebt. Diese können mit einem Pinsel oder einer Feder realsiert werden. Die Feder war ursprünglich ein Schreibinstrument. Aus den Besonderheiten der Farbabgabe eignet sie sich aber auch gut zum Zeichnen. Als Tuschen wird in aller Regel China-Tusche benutzt, die sich durch ihre besonders starke Schwärze hervorhebt.

Der Umgang mit der Feder erlaubt keine Korrekturen. Während man Fehler bei der Bleistift-zeichnung meist mit einem radiergummi korrigieren kann, ist eine Tusche-Linie unumstößlich gesetzt. Dadurch ist die Tusche-zeichnung wesentlich autenthischer und direkter. Tusche-Zeichnungen wirken daher oft viel direkt, aggressiv, authentisch. Sie zeigen häufig vermeintliche Differenzen zur gesehenen Wirklichkeit. Aber gerade das ist es, was sie so auszeichnet und ihnen eine besondere künstlerische Bedeutung verleiht.

Tusche Zeichnungen werden häufig kombiniert mit lavierenden Flächen. Dabei wird ähnlich wie beim Aquarell die Tusche mit Wasser verflüssigt und auf dem Blatt aufgetragen. Mehr zur Technik des Lavierens hier: Aquarellbilder malen - Aquarellmalerei.

Welche Merkmale zeichnen eine Zeichnung aus?

Das wesentliche Merkmal einer Zeichnung ist die Dominanz der Linie. Zeichnungen basieren auf Linien, auch wenn diese manchmal verschwischt und unscharf werden. Gleichzeitig können Zeichnungen aber auch flächig wirken, wenneng gesetzte Linien sich im Auge des Betrachters optisch verbinden. Diese durch viele Linien gleicher Richtung gebildeten Flächen nennt man Schraffur. Um in Zeichnungen dunkle Flächen zu erzeugen, können auch mehrere Schraffuren vesetzt übereinander gezeichnet werden. Das kann sogar so intensiv geschehen, dass es am Ende wie eine komplett geschlossene Farbfläche wirkt.

Neben der Linie ist auch der Punkt eine Element der Zeichnung. Punkte sind demnach als sehr kurze Linien zu bezeichnen. Alle Werkzeuge, mit denen sich Linien und Punkte erzeugen lassen, sind somit geeignet, um Zeichnungen zu erzeugen. Die Definition der Zeichnung basiert daher nicht auf dem Einsatz eines bestimmten Arbeitsmittels, sondern basiert auf der formalen Analyse des Arbeitsprozesses. Alle Bilder, die vordergründig Linien als Ausdrucksmittel verwenden, sind Zeichnungen.

Entwicklung der Zeichnung

Zeichnungen sind Spuren menschlichen Schaffens und Ausdruck eines intellektuellen Abstraktion. Die ältesten Spurenmenschlichen Handels sind Zeichnungen: die Höhlenmalereien der Urmenschen. Die ägyptische Hieroglyphen können als Bilderschrift formal-ästethisch als Zeichnungen definiert werden. Die griechische Vasenmalerei basiert auf Konturen. Sie wird zwar als "Vasenmalerei" bezeichnet, ist im Grunde aber einen Form der Zeichnung. Auch die mittelalterliche Buchmalerei ist Kontur-bestimmt. Allerdings wandelt sich hier die Zeichnung zur "Vorzeichnung": Die gezeichneten und erkennbaren Linien bilden das Gerüst für die spätere Kolorierung.

Zeichnungen als Studien und Skizzen für Gemälde

Die großen Renaissance-Künstler wie Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer verhelfen der Zeichnung zu einer neuen Nutzungsform: Die Zeichnung wird als Vorzeichnung, Studie oder Skizze zur Grundlage von gemalten Gemälden. Da diese Studienzeichnung oder Bleistiftskizze im vorbereitenden Kontext ersteht, ordnet sie sich qualitativ und rezeptionsgeschichtlich zumeist den großen Gemälden unter. Sie wird von vielen meist nicht so hoch eingeschätzt wie das fertige Meisterwerk.

Zeichnung als Medium der Dokumentation von Realität

Im Gegensatz dazu stehen Zeichnungen, die nicht vorbereitende Studien, sondern eigenständige Werke sind. Zwischen dem 16 Jahrhundert und Mitte des 19 Jahrhunderts boten realistische Bilder und Zeichnungen die Möglichkeit, die Realität bzw die gesehen Wirklichkeit zu dokumentieren. Die realistische Zeichnung hatte somit eine völlig andere Bedeutung, als das heute der Fall ist.

Paradigmenwechsel durch Fotografie

Mit dem Aufkommen der Fotografie verlor die Zeichnung die Aufgabe, die Realität zu dokumentieren. Die Fotographie bildete die gesehene Wirklichkeit schneller und präziser ab. Der Zeichnung wurde damit zwar eine wesentliches Betätigungsfeld entzogen, aber gleichzeitig bot dieser Verlust auch eine neue Freiheit. Paralell zur Malerei nutzte auch die künstlerische Zeichnung die neu gewonnene Freiheit, um die Kriterien künstlerischer Arbeit neu zu definieren: das l'art pour l'art (Kunst für Kunst). Die Bewertungskriterien waren nicht mehr "Ähnlichkeit" oder "Detailtreue", sondern Ausdruck und Kontext.

Bis heute zieht die künstlerische Zeichnung ihre Beurteilungskriterien aus dem Kunst- Kontext, der sich Mitte des Jahrhunderts gegründet und bis heute fortentwickelt hat.

Techniken der künstlerischen Zeichnung

Das wesentliche Merkmal der Zeichnung ist die Linie. Im Grunde kann man jede farbgebende Technik benutzen, um Zeichnungen zu erstellen. Im kunsthistorischen Kontext haben sich jedoch einige Techniken als besonders effektiv, kostengünstig und ausdrucksstark erwiesen. Am Anfang dieses Textes wurden bereits zwei Techniken genannt: Bleistift-Zeichnungen und Tusche-Zeichnungen. Daneben gibt es weitere Techniken, die teilweise in die Nähe der Malerei rücken.

Ein strikte Klassifizierung ist oft nicht möglich - und auch überhaupt nicht erforderlich. Die Zeichnung an sich ist kein Qualitätsmerkmal, es kommt immer auf die jeweilige Ausdruckskraft an.

Ausdrucksformen der künstlerischen Zeichnung

Zeichnung ist nur ein Oberbegriff für eine bestimmte Darstellungsweise. Natürlich können mithilfe von Zeichnungen zahlreiche Themen und Motive dargestellt werden. Es gibt jedoch eine Reihe von Genres, die eine besondere Affinität zur Zeichnung haben. Anders gesagt: bestimmte Bildthemen werden besonders häufig als Zeichnung vorgestellt. Einige davon sind:

Comics

Comics sind in aller Regel Kontur-basiert. Die Geschichte wird durch die Dramatik der Linien dargestellt. Ecken, Zacken, Strahlen, Explosionen - der Comic hat zahlreiche "Bildstaben" (statt "Buchstaben") innerhalb der Bildsprache entwickelt, die mittlerweile als standardisiertes Kulturgut unser Sehen prägen. Viele Anfänger, die das zeichnen erlernen wollen, beginnen damit, diese Bildkürzel aus der Comicsprache zu adaptieren.

Cartoons

Cartoons sind ähnlich wie Comics eher schnelle und flüchtige, fast skizzenhafte Zeichnungen. Dabei wird der Bildwitz durch einen frechen und heiteren Zeichenstil transportiert. Mehr über Cartoons...

Leonardo da Vinci
Leonardo da Vinci

Cartoon Zeichnung

Illustrationen

Besonders in Büchern wird die Illustration benutzt, um Phantasie-anregende Bilder zu erzeugen. Dabei ist ein zu großer Detailreichtum oft hinderlich, weil dadurch die Bilder, die beim Lesen im Kopf des Lesers entstehen, nur unnötig eingeschränkt würden. Die Illustration ordnet sich einer Geschichte oder einem Therma unter. Sie will keine eigene Qualität etfalten, sondern nur das illustrierte veranschaulichen. Gleichwohl ist eine gute Illustration eine hohe Kunst - und im Vergleich zur freien, künstlerische Zeichnung meist viel besser bezahlt.

Skizzen

Nach wie vor dienen Zeichnungen als Skizzen und Studien für Kunstwerke. Sie dienen der Planung und Vorbereitung. Skizzen sind keine Zeichnungen für ein Publikum, sondern dienen lediglich der Schulung der handwerklichen Fähigkeiten - oder der Vorbereitung eines größeren Werkes.

Digital Zeichnen am PC

Mittlerweile kann man natürlich auch am PC zeichnen. Ein Beispiel für eine digitale Zeichnung ist das folgende "Speed drawing". Der Zeichenprozess, der ca. 2 Stunden dauerte, wird hier als Zeitraffervideo gezeigt:


Titel: "Lonely Tschad giraffe", 2007
Speed drawing (Schnell Zeichnen) - Digitale Zeichnung, Adobe Photoshop

Weitere Informationen über Speed drawing und Speedpainting hier.

Was zeichnet eine gute Zeichnung aus?

"Ist meine Zeichnung gut?" - "Ich finde meine Zeichnungen schlecht!" - "Ich bin mit meinen Zeichnungen immer unzufrieden. Andere finden sie toll. Was stimmt nun?" - oder umgekehrt: "Ich kann super zeichnen, nur sieht das keiner!" - Solche und ähnliche Fragen geistern zu hunderten durch Künstlerforen und Kunst-Blogs. Nach welchen Kriterien kann man beurteilen, ob eine Zeichnung gut ist oder nicht?

Grundsätzlich kann man sagen: eine gute Zeichnung lebt von der Kraft der Linie. Aber was heißt das genau? Kann man als Laie Zeichnungen beurteilen? Braucht man viel Erfahrung, um die Qualität einer Zeichnung zu erkennen? Muss man selber gut zeichnen können, um eine Zeichnung beurteilen zu können? - Diese Fragen zeigen, das es keine allgemingültigen Kriterien gibt. Es kann sie gar nicht geben.

Eine Zeichnung kann wie jedes künstlerische Bild unter drei Gesichtspunkten beurteilt werden: 1. Handwerkliches Können - 2. Bildidee, Konzeption, Aussage - 3. Künstlerischer Wert. Das handwerkliche Können ist meist für jeden, auch für den Laien, erkennbar: Je eindeutiger und klarer die Linien gesetzt sind, um so sicherer wirkt das handwerkliche Können. Wackelige Linien, Radierspuren oder unklare Verwischungen sehen in der Regel wie Fehler aus. Bei realistischen Zeichnungen und insbesondere bei Portrait-Zeichnungen erfordert es aber natürlich viel Übung, um eine Erkennbarkeit ohne große Korrekturen zu erreichen.

Der zweite Punkt - Bildidee, Konzeption, Aussage - bezieht sich auf das Motiv. Wir din der Zeichnung etwas dargestellt, was über die bloße Wiedererkennbarkeit hinaus eine "Aussage" hat. Also eine Bildidee, die zum Reflektieren anregt. Hat das Bild eine Bedeutung - ermöglicht das Bild einen Interpretationsspielraum? Dieser Punkt ist natürlich schwieriger zu beurteilen. Oft ist man sich nicht sicher, ob etwas anderes gemeint ist als man sieht. In diesem Fall: Das Betrachten und Beurteilen des Bildes ist Sache des Betrachters, nicht des Künstlers. Es ist zunächst egal, was gemeint sein könnte. Wichtig ist, was der Betrachter sieht.

Der dritte Punkt - die künstlerische Qualität der Zeichnung - scheint zunächst am schwierigsten, ist bei näherer Betrachtung jedoch am einfachsten. Im Unterschied zu den ersten beiden Kriterien, die der Betrachter mit sich selber ausmachen muss, basiert die Bewertung der künstlerischen Leistung immer auf Kontextinformationen. Welche anderen Bilder hat der Künstler bisher gemalt und gezeichnet? Welche Informationen stellt er / sie über sich oder die Bilder zur Verfügung? Wie beurteilen andere diese Zeichnungen / Bilder? - Auf Basis dieser Informationen kann dann jeder Betrachter eine eigene Beurteilung über das Werk kommunizieren. Diese Beurteilung wiederum fließt dann (theoretisch) in die "Gesamtbeurteilung" der künstlerischen Leistung mit ein - und beeinflußt wiederum andere bei ihrer Bewertung.

Die Beurteilung der künstlerischen leistung ist also ein fließender Prozess, der durch zahlreiche Instanzen mitgeprägt wird. Was heißt das aber nun für den Künstler / die Künstlerin? Im Grunde ganz einfach: Beim Machen nie darüber anchdenken, wie andere das wohl beurteilen. Denn: die handwerkliche Arbeit sollte man sowieso so gut wie möglich machen. Und durch Übung und Erfahrung wird man im Laufe der Jahre sowieso immer besser. Als Anfänger sollte man sich nicht überfordern. Und etwas unbeholfenen "Frühwerke" können durchaus eine große Anziehungskraft ausstrahlen. Hinsichtlich des Bildmotivs und der dahinter stehenden Aussage: Nichts übers Knie brechen. Ein Grasbüschel kann mehr aussagen als ein dramatisches Kriegsbild. Suchen Sie in ihrer persönlichen, privaten Welt nach Bildern und Motiven, die Sie interessieren. Alles andere wird sich von allein entwickeln.

Hand-Zeichnungen: Kann man zeichnen lernen?

Zeichnen - wie geht das?

Wie oben geschildert, ist eine Zeichnung die einfachste Möglichkeit, ein künstlerisches Bild zu erstellen. Viele Menschen würden gerne zeichnen können. Aber wie geht das? Kann man Zeichnen lernen? Was ist die beste Methode?

Der folgende Abschnitt soll allen - Anfängern, Hobbykünstlern und Freizeitmalern - einen Weg aufzeigen, wie das Medium der Zeichnung für den eigenen kreativen Ausdruck gewinnen kann. Wie beim Erlernen eines Musikinstruments erfordert die Zeichnerei Disziplin. Es ist nicht in ein paar Stunden zu lernen. Nur Übung, Ausdauer und Spaß am Zeichnen führen zum Erfolg. Wer keine Freude am Erstellen eines Bildes hat, sollte sich nicht unnötig quälen.

Kann jeder zeichnen? Kann man Zeichnen lernen?

Ja. Im Prinzip gehört es zum Wesen des Menschen, sich mithilfe abstrahierte Ausdruckformen der umgebenden Welt zu vergewissern. Anders gesagt: Jeder Mensch ist in der Lage zu zeichnen (sofern er wenigsten eine Hand hat). Nur leider wird diese angeborene Fähigkeit durch gesellschaftliche Konventionen in den allermeisten Fällen zerstört bzw. verdrängt.

Insbesondere staatliche Schulen verderben durch einen völlig falschen Umgang mit individueller Kreativität den meisten Kindern den Spaß am Zeichnen. Unser Bildungssytem funktioniert "erfolgsorientiert", wobei Erfolg objektivierbar und standardisierbar sein muss. Der Kunstunterricht an staatlichen Schulen ist im Grunde nur dazu da, den Kindern kreative Flausen auszutreiben und ihren individuellen Entfaltungsdrang zu unterbinden. Natürlich ist fast jeder, der dieses System durchlaufen musste, durch diese Eindrücke geprägt. Nur die wenigsten haben die Kraft und das Durchhaltevermögen, einen eigenen kreativen Weg zu finden.

Wie kann ich meine Zeichensprache wiederfinden?

Es ist also klar, dass die meisten Menschen zwar zeichnen können, aber ihre individuelle Zeichensprache verloren haben. Folglich messen sie ihre Fähigkeiten und Ergebnisse nur an den gelernten Konventionen. Und das ist in den meisten Fällen frustrierend.

Was kann man dagegen tun? Nun, zunächst einmal kann man sich bewußt machen, dass man eine eigene Kreativität besitzt, die nur verschüttet wurde. Als nächsten Schritt kann man alle Konventionen abschütteln. Einfach zeichnen und skribbeln, ohne es jemandem zu zeigen. Frei von Beurteilung und Bewertung. So kann man die Fähigkeiten der Hand befreien. Die meisten Menschen können schreiben. Das zeigt, dass sie in der Lage sind, einen Stift kontrolliert zu führen.

Ein online Zeichenkurs Tutorial - einfach Zeichnen lernen

Die im folgenden Methode ist sehr einfach und simpel. Bevor Sie einen Zeichenkurs oder einen Malschule besuchen, versuchen Sie sich erst einmal an der geschilderten Methode. Sie zeigt Ihnen, wie Sie es im Prinzip selber lernen können.

Gleichwohl ist es immer hilfreich und gewinnbringend, anschließend oder parallel auch Zeichenkruse zu besuchen. Denn es ist für den künstlerischen Prozess von großer Wichtigkeit, nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln, sondern auch über die Resultate zu kommunizieren. Und hierfür bilden Malkurze, Zeichenwerkstätten und Kunst-Seminare einen hervorragenden Kontext. Wo sonstfinden Sie Gleichgesinnte mit ähnlichen Fragen und Problemen. Sie sollten sich natürlich vorher über den / die Seminarleiter/in informieren und eine Probestunde vereinbaren. Es bringt nichts, wenn Sie nicht frei und offen über Ihre Bilder reden können.

Beobachten der Natur - Zeichnen im Geiste

Die folgende Anleitung ist ein Art online-Tutorial "Zeichnen lernen". Und zwar ohne einen Stift zu benutzen. Alle diejenigen, die gerne das "realistische Zeichnen" erlernen möchten, sollten dann den Stift erst einmal beiseite legen. Die wesentliche Schwierigkeit beim realistischen Zeichnen ist nicht das Zeichnen, sondern das Sehen. Die Hand kann alles machen, nur muss das Auge oder der Geist ihr sagen, was sie machen soll.

Die beste Methode ist, sich irgendwo hinzusetzen und die Bilder im Kopf zu zeichnen. Gehen Sie an irgendeinen Ort, an dem Sie sich längere Zeit aufhalten mögen und beginnen sie, im Geiste zu zeichnen. Das bedeutet: versuchen Sie, Ihre Gedanken frei von Interpretationen zu machen. Beachten Sie nicht, wie sie die Dinge finden, sondern achten sie nur auf das, was Ihnen Ihr Auge zeigt. Kommunizieren sie mit ihren Augen.

Online Tutorial: Zeichnen lernen

Wiederholen Sie diese Übung wieder und wieder. Sie werden sehen, dass Sie es können. Und es wird Sie ermutigen, es auch mit einem Stift auf Papier zu versuchen.

Noch mal: Realistisch Zeichnen ist gleichbedeutend mit "nach der Natur zeichnen". Aber das kann nur funktionieren, wenn man die Natur sehen kann. Der einzige Weg dahin führt über das Beobachten der Natur. Wobei Natur nicht immer Wald oder Wiese sein muss. Es geht auch in der Kneipe, in der U-Bahn oder in der Küche. Eigentlich geht es überall. Je mehr sie beobachten üben, um so leister wird es Ihnen fallen, nach der Natur zu zeichnen.

Die "Auge-Hand-Beziehung"

Wie bereits erwähnt, muss man ein Bild, das vom Auge gesehen wird, erst im Kopf zusammenfügen, bevor es an die Hand übermittelt wird, die es dann zu Papier bringt. Im Grunde kann die Hand alles, was wir von ihr wollen. Nur leider spielt uns der Geist oft einen Streich. Der Kopf überträgt die falschen Signale an die Hand. Es ist daher sehr wichtig, sich erst im Kopf klarzumachen, wie eine Linie laufen soll. Also: wo ist der Anfangspunkt? - Wo soll die Linie enden? - Welche Wölbung bekommt sie? - Wie stark soll der Stift aufgedrückt werden? Wie schnell soll die Linie gezeichnet werden?

Als Anfänger sollten Sie zunächst langsam zeichnen. Schnelligkeit birgt immer das Risiko, dass die Linie anders läuft als gewollt. Die Schnelligkeit fördert unsere eigene, individuelle Spur zutage. Eben das, was in einer realistsichen Zeichnung eigentlich unterdrückt werden soll.

Der persönliche Ausdruck: künstlerischer Stil

Wie zuvor gesagt, trägt jeder Mensch die Fähigkeit in sich, kreativ zu zeichnen. Aber nur in den seltensten Fällen kann sich die kreativität auch frei entfalten. In aller Regel wird die Kreativität entweder so stark von außen beeinflußt, dass es keinen Spaß mehr macht. Oder sie wird durch eigenen Ehrgeiz stark verformt, so dass am Ende zwar gute, aber keine "eigenen" Zeichnungen entstehen. Was den zecihnungen fehlt, ist ein eigener Stil. Mit einem Stil ist es so: man kann ihn nicht suchen. Man kann ihn nur finden. Solange man ihn sucht, wird man anderen Stilen nacheifern - und sich dabei immer mehr von eigenen entfernen.

Der eigenen Stil kann sich nur entwickeln, wenn man möglichst frei von äußeren Einflüssen die eigenen Bilder sucht und entwickelt. Stil ist das, was man als Fehler oder Unzulänglichkeit ansieht. das, was man eigentlich gar nicht sehen möchte. Wenn man lange genug zeichnet, wird man bemerken, dass man einen Stil hat, der den Bildern innewohnt, ohne dass man ihn jemals beabsichtigt hätte.

Nur wer diesen Stil erkennt, wer es versteht, ihn zu nutzen und weiterzuentwickeln, wird die Chance haben, sich langfristig als Künstler zu behaupten. Und die einfachste und kostengünstigste Methode, die eigene Kreativität zu entdecken, ist und bleibt die Zeichnung.

Weblinks zu Thema Zeichnungen

Bildergalerien mit Zeichnungen von Martin Mißfeldt