short Comic – eine kurze Huhn Story
“Warum nur?” Fragt sich eine schöne Amazone, die in einem gelben Jaguar durch den prasselnden Regen fährt. Ein altes Auto – eine blasse Colorierung. Es sieht aus wie ein Panel aus einem alten Comic. Mitnichten. Das Panel gehört zu einem “short-comic”, den ich 2006 gezeichnet habe.
Ich habe seinerzeit das Konzept des short Comic entwickelt. Dabei geht es um einen Comic Strip, der in wenigen Panels (Bildern) einen Ausschnitt aus einer fiktiven Story erzählt. Im Unterschied zu “normalen” Comic hat der short comic einen offenen Anfang und ein offenes Ende. Es ist eher ein teaser für einen Comic, der überhaupt nicht existiert.
In diesem Comic geht es um ein Huhn, dass für 6 Millionen Euro versteigert wurde. Offenbar ist die Amazone auf der Jagd nach dem wertvollen Huhn. Der Held der Story ist als Beschützer des Huhn engagiert, verliert aber beim verregneten Frühstück die Übersicht (siehe rechts: “GLMB”).
Sogut – soweit. “Warum nur?” – Die Grundidee entstand im Jahr 2002 auf der dokumenta 11. Die Video-Arbeiten von Stan Douglas thematisierten die Wirkung von Fernseh- und Kino-Realität. Oder eben das, was Bildsprache im Film an Emotionen mit sich trägt und hervorrufen kann.
Beispiel: ein Auto, dass auf eine verlassenes Parkdeck auf einem Haus fährt, ruft Emotionen hervor, ohne das irgend etwas passiert. Ich war damals von die Macht der Bildsprache überwältigt. Und ich habe mir vorgenommen, so etwas mal mit Comics zu probieren.
Es hat dann allerdings noch vier Jahre gedauert, bis ich das in die Tat umgesetzt habe. Mein Gedanke war einfach: ich zeichne einen Comic, der einen (beliebigen) Ausschnitt aus einer Detektiv-Story zeigt. Dieser Ausschnitt sollte nur kurz sein – eben ein “short Comic“. Ich wollte mit Hilfe einiger weniger Panels ein Gefühl vermitteln, als würde man einen kompletten Comic lesen. Nur musste man den Anfang und das Ende eben selber erfinden.
Die ganze Sache war recht aufwendig: allein für die Vorzeichnung habe ich zwei Tage gebraucht. Und dann habe ich, um den “old-fashion-Style” rein zu bekommen, die Geschichte auch noch mit Fineliner schraffiert. Noch mal ca. 2 Tage Arbeit…
Zum Glück habe ich das Ergbenis am Rechner digital coloriert. Das ging schneller und hat auch noch Spielraum für Korrekturen gelassen. Und wahrscheinlich genau deshalb, weil es eben so aufwendig war, habe ich die short Comics dann nicht weiter verfolgt. Das Ergebnis schien mir damals in keinem rechten Verhältnis zum Arbeitsaufwand zu stehen. Schade eigentlich. Denn bis heute schaue ich mir die Teile gerne an und frage mich: “Warum nur?”
Hier den kompletten short-Comic über das “6 Millionen Euro Huhn“.