Relativ unentschieden: die letzten Ölbilder
Heute habe ich wieder ein paar Bilder digitalisiert und online gestellt. Vorstellen möchte ich zwei Ölilder, die ich 1994 gemalt habe. Sie gehören in eine Phase, in der ich Begriffe in die Bilder gamalt habe. Oder, nein: genau das eben nicht. Die Begriffe sind aus der farbigen Grundierung ausgespart. Das Bild ist also um die Begriffe herumgemalt, die dann eher nebenbei sichtbar geworden sind.
Das Bild links zeigt das “Schwimmbad in Itzehoe“. Als Jugendlicher habe ich dort die heißen Sommertage verbracht. Im Hintergrund der Zehnmeterturm, den die ganz besonders Kühnen nutzten, um Mädchen, nein, eigentlich die Jungs zu beeindrucken.
Das Motiv ist einfarbig in künstlichem Grün auf einen leuchtend orangen Grund gemalt. Und in diesem Orangeton überlagern Begriffe die Szenerie: “halbheit“, “relativ“, “mittelmass“, “unentschieden“, “remis“, “patt” etc. In diesem Bild kommt eine Krise zum Ausdruck. Es war die damalige Einsicht, dass meine Biografie nicht zum Künstler-Dasein taugt. Der Junge aus dem nord(west)deutschen Itzehoe war nur ein Zugereister. Mit ist seinerzeit klar geworden, dass ein “Kunstmarkt-konformer Künstler” in erster Linie eine “problematische” oder wenigsten “gesellschaftsrelevante” Biografie braucht. Die Bilder bzw. Werke sind eigentlich nebensächlich, weil sie als monetarisierbare Produkte nur die Marke [Künstlername] transportieren. Und ich realisierte, dass ich das nicht leisten konnte.
Kurz vorher habe ich das Bild rechts gemalt. Es ist der Höhepunkt aus einer Serie von Sehtest-Gouachen. Schon hier hatte ich das Konzept mit den Begriffen im Bild entwickelt und umgesetzt. Wie Fliegendreck überlagern die Begriffe das Bild, obwohl sie eigentlich gar nicht gemalt, sondern eben nur durch Weglassen entstanden sind. Im Grunde war (und bin) ich von den Sehtest-Bildern überzeugt: es sind gute Bilder. Sie thematisieren die Wahrnehmung von Kunst und Durchdringung von Wirklichkeit und Bildmotiv. In diesem Bild ist das “Grundierungskonzept” noch etwas komplizierter: ein identischer Sehtest ist links auf einen roten und rechts auf einen grünen Hintergrund gemalt. Wie zu erwarten wirken beide völlig verschieden, obwohl die Punkte die exakt gleichen Farbwerte besitzen.
Die hier gezeigten Bilder sind die beiden letzten Ölbilder, die ich gemalt habe. Ich habe aus oben genannten Gründen die Ölmalerei aufgegeben und damit eine “Künstlerkarriere” gar nicht erst begonnen. Zumindest nicht die, von der ich bis Ende 1993 geträumt habe. Ich habe somit mit dem Ende meines Kunststudium aufgehört, Künstler zu sein. Denn Künstlersein bedeutet (und das denke ich nach wie vor), eine biografisch begründete Marke durch erkennbare Produkte am Laufen zu halten. Und die Produkte (Bilder), die daraus entstanden wären, wären nur “mittelmass”, “unentschieden” etc …
Aus heutiger Sicht war es eine richtige Entscheidung. Denn natürlich habe ich weiter Bilder gemalt und meine Arbeit weiterentwickelt. Ich habe keinerlei Energie mehr in den Versuch gesteckt, als professioneller Künstler zu leben. Und so hatte ich enorm viel Zeit für die wichtigen Dinge: Bilder male ich nach wie vor.
03. Juni 2009 um 02:14
sehr schicke bilder. melde dich doch mal bei mir