Blog von Martin Mißfeldt: Kunst und Malerei Blog

Metaphysische Skizze: Anfang bis Ende

Nach zwei Wochen Urlaub (eine Woche total-offline – es war hart, aber ging) geht es nun in die Jahresendrallye. Ich habe wieder mal mehrere Kisten mit Hunderten von alten Blättern vom Dachboden meiner Eltern mitgebracht. in den nächsten Tagen wird ordentlich gescannt. Zwei Blätter aus einer Art “metaphysischen Phase” habe ich schon mal bereitgestellt. Links sieht man die Bleistiftzeichnung “Anfang bis Ende” aus dem Jahr 1993, wenn ich mich richtig erinnere. Dummerweise habe ich das Blatt nicht datiert. Aber es gibt mehrere vergleichbare Bilder auf dem gleichen Papier, so dass der Schluss nahe liegt. Also: was soll das denn?

Als ich achtzehn war (also 1987), habe ich mir relativ ausführliche Gedanken über den Lauf der Dinge und Zeit gemacht. Und über die Frage, wie relativ groß bzw. klein wir doch sind. Kosmologisch gesehen. Eigentlich ein merkwürdiger Zufall, dass wir scheinbar so genau in der Mitte liegen…

Egal, ich las also einen Artikel über den Urknall und die Entstehung der Welt und Einsteins Relativitätstheorie und so Zeugs. Und wie man in dem Alter so ist: man versucht alles zu verstehen und bastelt sich aus dem, was man kapiert hat, wilde Theorien zusammen. 1993, als diese Zeichnung aufs Papier kam, hatte ich die Theorie noch genau parat, obwohl ich natürlich weiß, dass sie Unsinn ist …

Was mich an den metaphysischen Theorien immer gestört hat, war, dass es zwei “Instanzen” geben sollte: Materie und Zeit. Ich fand das irgendwie unsauber, unlogisch. Diese blöde konstante Lichtgeschwindigkeit in Einsteins Relativitätstheorie, und dann noch so ein total krummer Wert: “299.792,458 Kilometer pro Sekunde”. Man, hier gehts doch um was Großes, Wichtiges, da kann es doch keine krummen Werte geben. Mir war damals zwar klar, das die Definitionen für Länge und Zeit vorher festgelegt wurde. Aber trotzdem empfand ich es als zutiefst störend. Ich habe also eine Theorie zurechtgebastelt: Es gibt überhaupt keine Zeit! Punkt. Nur Materie. Zeit ist eine Interpretation unseres Geistes für das physikalische Phänomen der “Ausdehnung”. Zeit ist Ausdehnung! Und der Urknall war keineswegs ein Knall im Sinne einer Explosion, sondern einfach nur der Beginn, ganz gleichförmig und sauber exponentiell. Es ist ja schon schlimm, dass man Kopfschmerzen bekommt, wenn man über die Frage nachdenkt, wie die Materie in ihren Urzustand gekommen ist. Aber dann noch zu glauben, dass das Ganze wie mit eine Lunte gezündet wurde, ist ja wohl völlig durchgeknallt. Bestenfalls Bildzeitungsniveau…

Nun ja, zum Glück bin ich den Pfad des Künstlers gegangen und nicht den des Physikers. Denn dadurch konnte ich diese Gedanken aufzeichnen, ohne jetzt weiter in metaphysische Fallen zu tappen…

Die Zeichnung links oben ist ca 21 x 21 cm groß. Das Blatt ist diagonal gefaltet. An dieser Achse wird eine spiralförmige Linie gespiegelt. Links oben ist der “Anfang”, rechts unten das “Ende”. Beides ist in die Zeichnung hineingeschrieben.

Das zweite Blatt ist ebenfalls von 1993: “Lebendiger Baum”. Ebenfalls ca 21 x 21 cm groß. Auf einem Stamm sitzen zwei Augen, die den Betrachter mahnend ansehen.

Ok, genug im alten Zeug gewühlt…

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